Pressestimmen über den Knöpfleswäscher
Münsinger Albbote, 25.11.2009
Wo "Von-dr-Alb-ra" als eine
Seuche gilt
Von "Katzenstreckern" und
"Knöpfleswäschern" erzählte der Historiker Wolfgang Wulz im
Mehrstetter Bürgersaal. Sein Fundus an schwäbischen Ortsnecknamen ließ rund
40 Gäste schmunzeln.
Die Mehrstetter selber sind gut
weggekommen mit ihrem Spitznamen: Als "Hommeler" gelten sie in den
Nachbargemeinden, weil sie einst versucht haben sollen, die Hummel als Arznei
gegen den Landregen einzusetzen. Heute allerdings ist der Spott der Nachbarn längst
vergessen. Selbstbewusst präsentiert die Gemeinde auf ihrer Internetseite ein
Mundart-Gedicht, das die Begebenheit humorvoll beschreibt. Auch die
Heidenheimer, zu denen Necknamen-Spezialist Wolfgang Wulz zählt, gehen locker
mit ihrem Spitznamen um: Sie erlangten als "Knöpfleswäscher" lokale
Berühmtheit, und Wolfgang Wulz weiß auch, wie es zu dem Namen kam.
Zunächst aber gab er eine kleine schwäbische
Einführung. Natürlich kommen die "Knöpfleswäscher von dr Alb ra".
Allerdings von der Ostalb, wo "se broid schwätzad ond des L so übertreiben:
Die blasen so richtig die Backen auf", machte Wulz vor und brachte mit
dieser witzigen Mimik schon die ersten Lacher auf. Mit diesem Dialekt, so fuhr
er augenzwinkernd fort, sei er auch als Student in Tübingen gleich auf- und
reingefallen. Ob er die drei schlimmsten Seuchen kenne, wurde er von einem
Kommilitonen gefragt: "Cholera, Malaria und Von-dr-Alb-ra".
Ähnliche Geschichten wie die der Knöpfleswäscher
gibt es fast überall im Schwabenland. Ob nun die gewitzte Heidenheimer Hausfrau
die in den Dreck gefallenen "Knöpfle" (Knödel) kurzerhand für den
Verzehr im Bach abwäscht, oder ob der sparsame Bauer aus Breitenholz den in die
Suppe gehüpften Frosch ableckt - und so die Breitenholzer zu
"Froschabschleckern" machte: Oftmals wurden solch kuriose
Begebenheiten zu humorvollen, manchmal aber auch groben Spitznamen.
Kurzweilig und gestenreich las der
Landeshistoriker und Mundartkenner aus seinen Büchern über schwäbische
Ortsnecknamen, von denen er im Laufe der Jahre viele recherchiert und
zusammengetragen hat. Und so folgten die Gäste im Mehrstetter Bürgersaal
schmunzelnd den Geschichten der Degerlocher "Hommeleshenker" und
"Mohrawäscher", der Ehninger "Entabrüter" und der Ebinger
"Mauvergauber" (Mondverschütter).
Auch für die derb-deftige oder gar
schwarz humorvolle Seite fand Wulz zum Abschluss noch Beispiele. Vor allem in
der Tübinger Goga-Mentalität und in den Goga-Witzen wurde er da fündig, wo
der studentische Witz mit der Schlagfertigkeit der armen Unterstadtbewohner ein
bemerkenswertes Bündnis eingeht.
Sabine Herder

Böblinger Kreiszeitung, 28.5.2009
D'Schdombaschiaßer und d'Gockelersaufschwänzer
Auf Einladung der Kulturinitiative war der Historiker und Buchautor Wolfgang Wulz kürzlich in Altdorf. Und hat dort aus seinem reichen Fundus zu den Ortsnecknamen in der Region vor allem den Fokus auf die Schönbuchlichtung gelegt.
Wulz ist Lehrer am Sindelfinger Goldberggymnasium, Historiker und recherchiert alten Ortsnecknamen hinterher, die heute kaum noch einer kennt. Fünf Bücher voller kurioser Geschichten über Ortschaften und deren Bewohner von Ulm bis zum Bodensee hat der Herrenberger bisher publiziert. Sein neuestes Werk heißt "Was sich neckt, das liebt sich", wurde angereichert mit Illustrationen von Sepp Buchegger und ist erschienen im Silberburg-Verlag Bebenhausen.
Wolfgang Wulz ist ein gebürtiger "Knöpfleswäscher" aus Heidenheim. Der Name geht, wie viele der skurrilen Necknamen, auf eine "granademäßig komische 'Gschicht zrück", sagt Wulz. Es war also in Heidenheim mal eine Frau, die ihrem Mann das Mittagessen zur Arbeit gebracht hat, wie es sich für eine ordentliche Schwäbin in früherer Zeit gehört hat. "Knöpfle" gab es für den Gatten, eine Kloßart, mit luftigen Löchern, fluffig und nicht zu fest. Der Dame mit dem Vesperkorb hat's ein bisschen pressiert. Plötzlich stolpert sie über einen Hund, der Korb fällt zu Boden, die schönen Knöpfle in den Matsch. Tja, und die Schwäbin? Die hat, ganz sparsam, die schmutzigen Klöße einfach in einer Pfütze sauber gewaschen. Dem Gatten hat's trotzdem geschmeckt, und seitdem nennt man die Heidenheimer eben "Knöpfleswäscher".
Die Idee, sich mit alten Spitznamen zu beschäftigen, entstand für Wulz während seiner Referendarszeit. "Meine Schüler sollten die Necknamen ihrer Geburtsorte herausfinden und einen Aufsatz darüber schreiben", erzählt der Autor. Wohl mit enttäuschendem Ergebnis, denn die Schüler beschränkten sich auf mehr als knappe Erläuterungen der ortsspezifischen Kosenamen. Also kreierte Wulz ein Ansichtsexemplar, einen beispielhaften Aufsatz mit Einleitung, Hauptteil und Schluss über die Breitenholzer "Froschabschlecker". In Kurzform: Ein Frosch sprang in die Flädlesuppe eines Bauern. Und weil dem die Brühe so geschmeckt hat, hat er kurzerhand den feinen Suppenfilm vom Frosch geleckt. "Schwäbische Sparsamkeit", sagt Wulz. Und im Vergleich zum Necknamen der Weil im Schönbucher eine geruhsame Geschichte.
"Messerstecher" hat man die Bewohner zwischen Holzgerlingen und Tübingen genannt und "Gockelersaufschwänzer". Das kam wie folgt: Ein Breitensteiner - damals waren die Breitensteiner unter dem Namen "Göckele" bekannt - machte sich auf den Weg zur Mühle. Die Schönaicher Mühle hatte wegen Wassermangels geschlossen, die Eschmühle in Neuweiler war schon belegt, also fuhr der Mann mit seinem Fuhrwerk zur entlegenen Oberen Rauhmühle. Trotz der frühen Stunde standen die Kollegen aus Weil schon Schlange vor dem Mühlrad. "Hot dr Gockeler heut en dr Früh' 'sKrähe vergesse, dass mr so spät erscht kommt?", spotteten die Weilemer und riefen ein ums andere Mal ein "Kikeriki" in den frühen Morgen. Da platzte dem sonst so ruhigen Breitensteiner der Kragen. Eine handfeste Rauferei begann. Plötzlich zog ein Weil im Schönbucher ein Messer und schlitzte Hose und Wams des armen Breitensteiners von oben bis unten auf. Und seitdem heißen die Weil im Schönbucher eben "Messerstecher" oder "Gockelersaufschwänzer".
Auch über die Hildrizhauser hat Wolfgang Wulz eine Geschichte zu erzählen. Irgendwann, vermutlich im 18. oder 19. Jahrhundert, haben eben die ein paar Obstbäume abgesägt. Nur die Stümpfe der stolzen Gewächse sind geblieben, die so genannten "Schtomba". Die waren aber so hartnäckig im Boden verwurzelt, dass die findigen Hausener beschlossen, die "Schtomba" mit Schwarzpulver zu sprengen. Ein junger Waldarbeiter wurde in die Apotheke nach Herrenberg geschickt, um Pulver für eine ordentliche Sprengladung zu kaufen. Auf dem Weg dorthin traf der junge Mann auf einen Bauern, der ihn bat, aus der Apotheke doch ein Pülverchen für seinen kranke Sau mitzubringen. Auf dem Rückweg, man ahnt es schon, verwechselte der Bursche die beiden Säckchen. Die Sprengmeister erhielten den Beutel mit der Schweinemedizin, der Bauer das explosive Schwarzpulver. Zum Ausgang der Geschichte sei nur soviel gesagt: Die "Schtompa" blieben stehen, nebenan aber tat's einen gewaltigen Schlag und die Hildrizhauser hatten ihren Spitznamen weg: "Schtombaschießer".
"I kennt die ganze Litanei mit denne Ortname so woidr treibe, dann wird mr aber nemme ferdig werre", sagt Wulz. Eine Geschichte schiebt er aber noch hinterher: Die Altdorfer Bevölkerung darf sich den weitverbreiteten Necknamen "Schnecken" auf die Fahnen schreiben. Warum man die Bewohner der Schönbuch-Gemeinde nach einem kleinen Kriechtier benannt hat, muss allerdings weitestgehend ungeklärt bleiben. Jedenfalls, sagt Wulz, necken die Hildrizhauser die Altdorfer heute noch mit ihrem Spitznamen. Selbst bei Schnee, erzählt Wulz, würden die Hausemer um einiges rasanter vorwärtskommen, so die Geschichte. Deshalb nennt man die Hildrizhauser auch nicht nur "Schdomaschießer", sondern auch "Schnaidrebbler".
Hanna Hunger

Sindelfinger/Böblinger
Zeitung, 12.2.2004
Sindelfingen: Wolfgang
Wulz mit Schwäbischem im Theaterkeller
Von Leuten, die auf Käs reiten
Von
unserem Mitarbeiter Christoph Martin Hauff
Auf
die Minute genau tritt er auf im gut gefüllten Theaterkeller, beiläufig fast,
ohne jede Starallüre: Dr. Wolfgang Wulz, Deutsch- und Geschichtslehrer am
Goldberggymnasium Sindelfingen redet, erzählt, plaudert, liest unter dem Titel
"Was sich neckt, das liebt sich" über Ortsnecknamen der näheren und
weiteren Umgebung.
Etwas gröber
formuliert, so Wolfgang Wulz, könnte das Motto seiner Arbeit auch heißen:
"Pack schlägt sich, Pack verträgt sich". Wolfgang Wulz beleuchtet
seine Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven, und er ist dabei ein
gelehriger Schüler seines Professors Hansmartin Decker-Hauff, des leider viel
zu früh verstorbenen Landeshistorikers an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
Es ist
dieselbe Art, wissenschaftliche Fakten charmant formuliert unters Publikum zu
bringen. Und die Zuhörerschaft unter der Devise "Mundart im
Theaterkeller" folgt ihm willig und lachfreudig durch die Tiefen und
Untiefen (alt)württembergischen Humors. Dabei verleugnet Wolfgang Wulz auch
seine eigene Herkunft nicht: Er sei Heidenheimer, und damit ein "Knöpfleswäscher".
Und schon findet er, auf Zuruf, einen Landsmann im Publikum.
Einen
Ansprechpartner für die Geschichte von der Heidenheimer Hausfrau, die ihre
Teigwaren aus Versehen in den Dreck rugeln ließ. Aber sie wusste sich zu
helfen: wozu gibt es Wasser im Stadtgraben? Also wird das Mittagessen
ausgewaschen und so in der Mittagspause dem hart arbeitenden Ehemann wie neu präsentiert.
Das Dumme
daran war bloß: Ein sakrischer "Oolemer", einer aus der Nachbarstadt
Aalen also, hat ihr dabei zugeschaut. Und schon hatten die Heidenheimer ihren
Necknamen weg: Knöpfleswäscher halt.
Schadenfreude
Und weil Schadenfreude
bekanntlich eine der schönsten Freuden ist, sind es immer die andern, die
lieben Nachbarn, die einem "O'name", Unnamen anhängen. Der frühere Bürgermeister
Hege, Aidlingen, sei seine gesamte Amtszeit über stets von den lieben
Amtskollegen zu gegebener Zeit gefragt worden, ob er denn schon seinen Büttel
losgeschickt habe, während des Mostens das "Bachbescheißen" zu
verbieten. So zäh halten sich Übernamen.
Schon der
Titel der Bücher, die Wolfgang Wulz gemeinsam mit Hans Anthon Wagner
herausgibt, sagt vieles. Sie heißen: von Leuten, die mit Gold düngen; von
Leuten, die Spatzen bemalen, den Heiland klauen, Birnenschnitz zu Grabe tragen;
von Leuten, die Frösche abschlecken, Wanzen braten, Eier ausbrüten; von
Leuten, die auf Käs reiten, einen Bach bescheißen, wie Füchse bellen und
andere unglaubliche Geschichten.
Unglaublich
sind die Geschichten fast allemal. Ob sie aber auch wahr sind? Solange sie erzählt
werden, sind sie wahr. Und das wird, wie etwa die Anekdoten über die weltberühmten
Tübinger Gogen, hoffentlich noch lange der Fall sein.

Böblinger Kreiszeitung am 9. Februar 2004
Wolfgang Wulz gestaltet
im Theaterkeller einen unterhaltsamen Abend
Wenn ein Knöpfleswäscher
über Ortsnecknamen philosophiert
Sindelfingen - Die
Tübinger Historiker-Schule des druckreif sprechenden und Geschichte wie einen
Event verkaufenden Hansmartin Decker-Hauff hat sicher auf Dr. Wolfgang Wulz,
Lehrer am Goldberg-Gymnasium, abgefärbt. Auch wenn es nicht Geschichte, sondern
Geschichten sind, die er unters Volk bringt.
Wie kommt das Heidenheimer Büble aus anständigem Haus
schon so früh dazu, sich mit Spitznamen für Dorf- und Stadtgemeinschaften zu
beschäftigen? Ganz einfach: Es machte ihm einen Heidenspaß, diese häufig
recht deftigen Namen im Munde zu führen. Denn so verbrämt durfte sogar bei
Tische gefragt werden, warum denn die Mergelstetter eigentlich
"Scherbescheißer" genannt würden, und der Vater erläuterte die
Geschichte. Die Mergelstetter hatten eines reichlich: Mergel. Aus dem konnte man
Tongeschirr machen, das jedoch schnell zerbrach. Die Mergelstetter lösten das
Entsorgungsproblem so, dass sie die kaputten Kannen, Teller und Krüge in kleine
Stückchen zerstampften und in die Plumpsklos warfen, um dann im Frühjahr ein
Gemisch auf die Äcker auszubringen, das nun wieder bei den Nachbarn den
Verdacht auslöste, die Mergelstetter könnten . . . Und darum hießen sie halt
"Scherbenscheißer".
Liebevoll sind diese Namen, häufig am Stammtisch ausgebrütet.
Und sie setzen sich doch durchaus auch kritisch mit ihrer Umwelt auseinander,
zeugen von Pfiffigkeit, Gewandtheit und der schwäbischen Tugend, sich in vielen
Lagen helfen zu können. So blieb doch auch der liebenden Heidenheimer Gattin,
die ihrem Mann die Leibspeise, Knöpfle mit Kraut, auf die Arbeit tragen wollte,
gar nichts anderes übrig, als diesen Knopf genannten Hefekloß im Bach abzuspülen,
nachdem er ihr in den Dreck gefallen war. Erstens gab es keinen Ersatz, zweitens
war der Mann hungrig und außerdem war der Hefekloß ja durchaus noch zu retten.
Ärgerlich nur, dass sie sich bei der Wäscherei hat beobachten lassen und das
noch von einem, der eben nicht aus Heidenheim kam. Dass der die Geschichte dann
im Wirtshaus erzählt hat, ist doch klar. Man erzählte das weiter und so
entstehen innerhalb relativ kurzer Zeit solche Spottnamen.
Wolfgang Wulz hat eine ganz eigene Art, diese Geschichten
immer auch in ihrer historischen Bedeutung zu beleuchten. Wirtschaftliche Not
war ein wesentlicher Auslöser all dieser Geschichten von Sparsamkeit,
Entenklemmen und "Knöpfleswäscherei". Mit trockenem Humor und
liebevoll beobachtend, hat Wulz eine besondere Begabung, seine Geschichten zu
erzählen, kommt vom Hundertsten ins Tausendste, muss auch gar nicht auf das
Repertoire an Witzen zurückgreifen, das er zur Sicherheit mit sich herumträgt.
Er hat im Theaterkeller ein Publikum, das sich an seinen Geschichten erfreut und
das sein Interesse an ihnen auch vernehmlich bekundet. Herrlich, wie Wulz seinen
eigenen Heidenheimer Dialekt vorführt, in dem eine scheinbar etwas zu groß
geratene Zunge eine wesentliche Rolle spielt - bei den "lls"
jedenfalls kommt sie unweigerlich zum Vorschein.
Ein ganz besonders hübsches und mitteilenswertes
Steckenpferd reitet dieser Autor Wolfgang Wulz. Inzwischen beschäftigen sich
schon sechs Bände mit diesen Ortsnecknamen und Baden-Württemberg ist längst
nicht aufgearbeitet. Nach 90 Minuten ohne Pause, herzlichem Applaus und einer
Zugabe ging ein höchst unterhaltsamer Abend zu Ende.
Anna J. Deylitz