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D. Erarbeitung des Romans "Kopfhörer" von Rainer Wochele (Klasse 9b - 2001/2002) KREISZEITUNG BÖBLINGEN, 15.12.2001 Ein Schriftsteller im Kreuzverhör von Schülern Von Werner Held Sindelfingen - Bei Lesungen stößt Rainer Wochele nicht immer auf offene Ohren. Dass ihn die 9b des Goldberggymnasiums über seinen Roman Kopfhörer gestern geradezu löcherte, erfüllt ihn mit Freude. Sein Auftritt war eingebettet in ein Deutsch-Projekt, das seit den Herbstferien läuft. Selbstständiges Erarbeiten eines Romans heißt die Aufgabe, die Deutschlehrer Dr. Wolfgang Wulz der 9b gestellt hat. Seit Anfang November dreht sich im Deutsch-Unterricht alles um den Roman Kopfhörer des Stuttgarter Schriftstellers Rainer Wochele. Das Buch hat der Lehrer noch ausgewählt, nicht zuletzt deshalb, weil er Wochele kennt und wusste, dass er auch mal in den Unterricht kommen würde. Doch den Inhalt des Romans, einer Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte, in deren Mittelpunkt der Jugendliche Jörg Seidel, die junge Frau Kathrin Metz und der pensionierte Journalist Heinz Bretschneider stehen, mussten sich die Schüler in eigener Verantwortung erarbeiten. Wolfgang Wulz machte einen Plan mit Arbeitsaufgaben und zeitlichen Vorgaben, beschränkte sich ansonsten auf die Rolle des Tippgebers und Moderators. Zwischenberichte gaben ihm Gewissheit, dass die freie Arbeit der Schüler in die richtige Richtung läuft. Der Besuch von Rainer Wochele im Unterricht diente dazu, direkt mit dem Autor Fragen zu klären, die sich bei der Beschäftigung mit dem Kopfhörer in den vergangenen Wochen angesammelt hatten. Und nachdem Wochele zum Aufwärmen eine Passage aus seinem Werk gelesen hatte, nahmen ihn die Neuntklässler fast ins Kreuzverhör. Haben Sie die Personen frei erfunden oder gab es Bezüge zur Wirklichkeit? In Bretschneider beispielsweise, öffnet Rainer Wochele die Tür zur Werkstatt des Schriftstellers, blitze Hans Blickensdörfer auf, der bekannte Journalist, den Wochele kennen gelernt hat, als er selbst noch Lokalredakteur war. Doch der Autor mischt die Figuren und formt sie, wie er sie für seine Geschichte braucht, und versieht sie auch mit seinen eigenen Gefühlen. Das Schöne an der Schriftstellerei, sagt Rainer Wochele, sei, dass der Autor in verschiedene Häute schlüpfen, sich in die Gefühlswelt unterschiedlicher Personen hineinversetzen könne. Wenn er an einem Roman zu arbeiten beginne, klärt der Schriftsteller über seinen Schaffensprozess auf, stünden nur der Anfang, bestimmte Wendepunkte und das Ende des Stücks fest. Die Figuren würden bisweilen ein so starkes Eigenleben entwickeln, dass sie dem Schriftsteller den weiteren Verlauf der Geschichte diktieren. Wie der Titel eines Buches entsteht Wochele stößt eine Diskussion darüber an, wie Jörg Seidel aussehen könnte. Groß und schlaksig, sagt eine Schülerin. Klein und dick, hält ein anderer dagegen. Auch darüber, ob er keine Muskeln oder wegen seiner Freude am Radfahren Megawaden hat, lässt sich keine Einigkeit erzielen. Der Vorteil der Literatur gegenüber dem Film, erklärt Wochele, ist, dass sie der Fantasie des Lesers Spielraum lässt, so dass sich jeder eine andere Vorstellung von den Figuren machen kann. Warum hat Ihr Buch den Titel ,Kopfhörerf?, wirft ein Schüler ein andere Frage auf. Doch äußere Kennzeichen oder innere Stimmen der Personen reichen zur Erklärung des Titels nicht aus. Er sei, eröffnet Wochele den Schülern, beim Umtrunk im Kreise von Kollegen entstanden, nachdem der Verleger den Arbeitstitel Nachrichten hören verworfen hatte und dessen Vorschlag Der Zufall ist eine Hure in der Vertreterkonferenz durchgefallen war. Wie er den Roman interpretieren muss, will Wochele dem Leser nicht vorschreiben. Der Schriftsteller, sagt er, will die Gedanken des Lesers nur ein bisschen steuern, damit er schließlich seine eigene Interpretation findet. Rainer Wochele ist vom Verlauf des Gesprächs und von der Art, wie es vorbereitet worden ist, begeistert. Ich habe in den Gesichtern der Schüler aufrichtiges Interesse gesehen, schildert er seinen Eindruck. Dass das nur da herrührt, dass die jungen Leute seine Antworten auf ihre Fragen protokollieren mussten und dass sie für die Dokumentation, die am Ende des Projekts steht, wie für eine Klassenarbeit eine Note bekommen, glaubt er nicht. Es ging um die Sache. Die Bälle flogen hin und her. Nachdem sich die Neuner jetzt vor allem auf der kognitiven Ebene mit dem Kopfhörer auseinander gesetzt haben, soll nach den Weihnachtsferien noch ein kreativer Teil folgen: Die Arbeitsgruppen sollen Ausschnitte des Romans in Spielszenen, Hörspiele oder Standbilder umsetzen. Weil Rainer Wochele gestern den Eindruck hatte, dass in den Köpfen der Schüler allerhand los ist, versprach er ihnen spontan, noch einmal zu kommen, wenn die Szenen stehen. |
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