Herdmanns
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B. Fächerübergreifendes Projekt "Weihnachtsspiel" - Hilfe, die Herdmanns kommen (Klasse 7a - 1999/2000)

- Ein nicht ganz alltägliches Krippenspiel - aufgeführt von der Klasse 7a mit dem Engelchor der 5c

"Die Herdmanns waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie logen und klauten, rauchten Zigaretten, sogar die Mädchen, erzählten schmutzige Witze und fluchten auf ihre Lehrer, missbrauchten den Namen des Herrn und setzten den alten Geräteschuppen von Fred Schuhmacher in Brand. Es gab sechs von ihnen: Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig, und sie gingen durch die Schule wie dieser südamerikanische Raubfisch, der nichts von dir übrig lässt als ein paar abgenagte Knochen. Es war nicht einfach, ihnen aus dem Weg zu gehen."

Und dieser fürchterliche Haufen, ausgerechnet, schickt sich heuer an, das altehrwürdige und traditionsreiche Krippenspiel zu übernehmen. O du fröhliche, o du selige!

Zeichnung: Caroline Kwiatkowski

Gerade vom Mittelalter-Projekt erholt, wagt sich die spielfreudige Klasse 7a schon wieder an eine neue Produktion - ein nicht ganz alltägliches Krippenspiel, in dem es noch chaotischer zugeht, als man es normalerweise von Theaterproben gewöhnt ist. Zudem ist ein vielköpfiger und sangesfreudiger "Engelchor" aus der Klasse 5c mit von der Partie. Die deutsche Bühnenfassung nach dem bekannten Jugendbuch von Barbara Robinson stammt vom Nele und Paul Maar.

"Hey, euch ist ein Kind geboren!"

"Gute Noten" in der örtlichen Presse bekamen die Klassen 5c und 7a für ihre Aufführung des Weihnachtsspiels "Hilfe, die Herdmanns kommen".

So berichtete die Kreiszeitung am 21.12.1999:

Die Klasse 7a des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen (GGS) führte am Samstagnachmittag mit Unterstützung des Engelchors der 5 c das nicht ganz alltägliche Krippenspiel "Hilfe, die Herdmanns kommen" auf. Mit ihrem zweiten Stück setzten die Schülerinnen und Schüler ihre erfolgreiche, fächerübergreifende Projektarbeit fort.

Die Herdmann-Kinder waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig logen, klauten, rauchten Zigarren, brachten die Nachbarn zur Verzweiflung, erzählten schmutzige Witze, setzten einen Geräteschuppen in Brand, kamen zu spät oder gar nicht zur Schule, fluchten auf ihre Lehrer und missbrauchten den Namen des Herrn. Ausgerechnet die sechs fürchterlichen Herdmann-Kinder, die nur in den Kindergottesdienst gekommen waren, weil ihnen Charlie erzählt hatte, dass es dort Süßigkeiten gebe, übernahmen die Hauptrollen im altehrwürdigen und traditionsreichen Krippenspiel, das immer zu Weihnachten aufgeführt wird.

Das beste Krippenspiel

Natürlich erwartete jeder das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten. Aber es wurde das beste Krippenspiel, das jemals in jener Kirche aufgeführt worden ist, denn die Herdmanns, die die Bibel bisher allenfalls als Wurfgeschoss benutzt hatten, interessierten sich plötzlich für deren Inhalte und übertrugen die Weihnachtsgeschichte völlig unvoreingenommen in ihr eigenes Leben und weckten damit bei den Zuschauern ein ganz neues Verständnis für die Weihnachtsbotschaft.

Weil sie König Herodes bestrafen wollten, nannten die Herdmanns das Stück "Die Rache von Bethlehem". Ralf und Eugenia spielten Josef und Maria als arme Flüchtlinge und trafen die Lage im damaligen Bethlehem wohl ganz gut. Eugenia wiegte das Jesusbaby nicht, sondern hatte es über die Schulter gelegt und klopfte ihm zweimal auf den Rücken.

Der Engel Batman

Hedwig, das jüngste und schlimmste Herdmann-Kind, übernahm die Rolle des Verkündigungsengels, den sie mit Batman identifizierte, der in den Comics wie der Engel des Herrn aus dem Dunkel der Nacht erscheint. Der Verkündigungsengel ist der einzige Schauspieler im Krippenspiel, der etwas sagt. Hedwig schrie: "Hey, euch ist ein Kind geboren!" Und man merkte, wie die Hirten zitterten. Eigentlich hatten sie vor Hedwig Angst. Dann traten die von Leopold, Klaus und Olli gemimten Heiligen Drei Könige auf. Statt Gold, Weihrauch und Myrrhe hatten sie den Schinken aus dem Geschenkkorb des Wohltätigkeitsvereins mitgebracht. Während der Engelchor, den die Schülerinnen und Schüler der 5 c bildeten, sang, begann Eugenia voller Rührung zu weinen.

Das Krippenspiel basiert auf dem amerikanischen Jugendbuch von Barbara Robinson. Nele und Paul Maar haben es ins Deutsche übertragen und auch die Bühnenfassung des Werkes besorgt. [...] Volker Held

 

Das Stück kann über den deutschen Theaterverlag bezogen werden, Bestellnummer E 307. Es unterliegt dem Urheberrrecht.

Dt. Theaterverlag, Carl-Benz-Str. 10, 69493 Hirschberg. http://www.dtver.de . Mail:  theater@dtver.de

 

Und die Sindelfinger Zeitung schreibt am 20.12.1999:

Toleranz und Integration

Die Weihnachtsgeschichte einmal ganz anders: Die Klasse 7a des Goldberg-Gymnasiums hat das Stück "Hilfe, die Herdmanns kommen" auf die Bühne gebracht. Spielfreude, Spaß aber auch Stoff zum Nachdenken, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Kaum hatte sich die 7a von ihrem erfolgreichen Mittelalter-Projektspiel "Anno 1202" erholt, wagten sich Klassenlehrer Wolfgang Wulz und seine Schüler an das nächste aufwendige Theaterprojekt.

"Die Herdmanns", heißt es im Prolog der von Nele und Paul Maar ins Deutsche übertragenen Geschichte, "waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie logen und klauten, rauchten Zigaretten, sogar die Mädchen, erzählten schmutzige Witze und fluchten auf ihre Lehrer."

Ein schöne Gesellschaft also, die sich anschickt, in diesem Jahr am Krippenspiel teilzunehmen. Die Katastrophe scheint vorprogrammiert. Der Pfarrer fürchtet um seine Schäfchen und Frau Armstrong, wegen eines Beinbruchs als Regisseurin des Krippenspiels außer Gefecht gesetzt, um den guten Ruf der Gemeinde.

Und tatsächlich lassen Eugenia Herdmann als Maria und ihre fünf nervtötenden Geschwister anfangs keine Gelegenheit aus, ihren schlechten Ruf zu bestätigen.

Das Thema: soziale Integration

Doch die Weihnachtsgeschichte, zuvor von den Herdmanns belächelt, zeigt Wirkung: Die Geschichte vom armen, frierenden und verfolgten Ehepaar rührt die coole Eugenia bei der Aufführung zu Tränen. Sie erkennt, dass die Geschichte im Grunde ihre eigene ist: Es geht um Toleranz und - so hochtrabend das klingen mag - um soziale Integration.

Ein Thema, das Wolfgang Wulz, auch bei der Probenarbeit wichtig war: "Der Weg bis zu diesem Abend hier war uns besonders wichtig. Dieses Stück hat sich die Klassengemeinschaft seit den Herbstferien während des regulären Unterrichts erarbeitet."

Schon deshalb ist es gar nicht notwendig, einzelne Darsteller besonders hervorzuheben, obwohl sich einige echte Schauspieltalente in der Klasse finden. Alle, auch die stimmgewaltigen Engel der Klasse 5c, haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass der Abend in der Aula des Goldberg-Gymnasiums seinen besonderen Reiz hatte. Tim Schweiker

Dazu noch ein Kommentar in der Kreiszeitung (21.12.1999)

Schulprojekte: Motivationsschub

(wrh). Schulunterricht darf nicht nur im Bimsen von Formen und Formeln bestehen. Im Berufsleben ist mehr denn je nicht nur Wissen gefragt. Berufsanfänger müssen fähig sein, im Team und mit Kreativität und Phantasie Ergebnisse zu erarbeiten und sie an entscheidender Stelle erfolgreich zu präsentieren. Um diese Fähigkeiten vermitteln zu können, müssen Schulen das Korsett von Lehrplänen und Schulstunden sprengen, um sich Freiraum für fächerübergreifendes Arbeiten zu verschaffen, wie es das Goldberg-Gymnasium Sindelfingen bei seinen Langzeitprojekten tut. Das ist nicht immer einfach, weil die Wissensvermittlung Kernstück des Unterrichts bleibt. Aber es lohnt sich nicht nur, weil diese Art von Unterricht völlig neue Qualifikationen vermittelt, sondern auch weil der Spaß, den Kinder daran haben, Erfolge, die sie damit erzielen, Ansporn sein können, um Durststrecken des Schülerlebens mit Formen und Formeln durchzustehen.

Kreiszeitung, 24.12.1999:

Für Kinder in Armut

Jeweils 400 Mark haben Schüler(innen) des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen (GGS) an die Kindernothilfe und den Herrenberger Verein "Flüchtlinge und wir" in Herrenberg gespendet.

Großen Beifall erhielten die Klassen 7a und 5c des GGS Tage für ihre fulminanten Aufführungen des etwas anderen Weihnachtsspiels "Hilfe, die Herdmanns kommen" die KRZ berichtete). Darin spielt der Themenkreis Armut, Ausgestoßenheit und Außenseitertum eine wichtige Rolle.

"Gerade diese Problematik veranlasste die GGS-Schülerinnen und -schüler, die von ihrem begeisterten Publikum aufgebrachten Spenden an Kinder in Armut - hier und anderswo - weiterzugeben", kommentiert Dr. Wolfgang Wulz, Klassen- und Deutschlehrer der 7a, die Spenden.

 

Neuer Pfiff fürs alte Krippenspiel

Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Das Ergebnis eines Fächer übergreifenden Projekts von Deutschlehrer Dr. Wolfgang Wulz gab es jetzt im Sindelfinger Goldberg-Gymnasium zu sehen: In dem Theaterstück "Hilfe, die Herdmanns kommen" stellen zügellose Rowdys ein biederes Weihnachtsspiel auf den Kopf und entdecken dabei den Sinn von Weihnachten.

Ginge es nach Hedwig Herdmann (Janina Stürner), müsste das Ganze eigentlich zünftig "Die Rache von Bethlehem" heißen, und nicht einfach "Weihnachtsspiel". Und der von ihr gespielte Engel des Herrn müsste den Hirten auf dem Feld kräftig in den Hintern treten, anstatt nur geheimnisvoll zu flöten: "Euch ist der Heiland geboren".

Und natürlich müssten ihre Brüder der Herdmann-Sippe als die Heiligen drei Könige ("Was ist eigentlich ein Dreikönig?": Alexander Widmann, Katharina Kreft, Fabian Blaimer) irgendwas Praktisches aus dem Morgenland mitbringen, anstatt so einem nutzlosen Quatsch wie Weihrauch oder Myrrhe. Gesagt, getan.

Rabauken schleusen sich ein

Und so schleusen sich die Rabauken in das von Barbara Bradley (Andrea Hümer) organisierte Krippenspiel ein, um dem kreuzbiederen Treiben neuen Pfiff zu geben - und natürlich um dem braven Mamaliebling Alice (Stefanie Binz) eins auszuwischen.

Denn bei der Normalbevölkerung (Elena Haug, Elena Kotljarova, Stefanie Krüger, Kalina Barbov, Tanja Bäder, Patrick Oehler, Manuel Stallbaumer, Patrick Renner, Stephen Boyle, Marie Roquette, Lili Leddin, Helena Bettinger, Daisy Georgii, Max Havemann) sind die Herdmanns alles andere als wohlgelitten: Sie rauchen fette Zigarren, klauen, verprügeln andere Kinder und stehen auf der Liste der Jugendfürsorge.

Wer kann schon ahnen, dass Ralf und Eugenia Herdmann als Maria und Josef (Corina Bildhäuser, Florian Stepper) schließlich so ergriffen sind vom weihnachtlichen Treiben, dass selbst Erzählerin Betty Bradley und ihr Bruder (Melanie Hirth, Jonathan Költzow) zugeben müssen, dass dies ein Weihnachtsspiel der besonderen Art ist.

Im normalen Unterricht

Die neue "Werkbühne im Westsaal" solle Theaterprojekten im Goldberg-Gymnasium eine Plattform bieten, "die vom Anspruch her nicht so hoch greifen wie die Theater-AG oder die Unterstufen-Theater-AG, und die in den normalen Unterricht integriert sind", erklärt Dr. Wolfgang Wulz, der für die Realisation von "Hilfe, die Herdmanns kommen" aus der Feder von Barbara Robinson und in der Übersetzung durch Nele und Paul Maar verantwortlich zeichnet.

Positive Reaktion

An diesem Projekt ließ Wulz seine Deutschklasse, die 7c, vier Wochen lang arbeiten. Die Dokumentation der Schüler über das Projekt wird als Klassenarbeit gewertet werden. Pädagogischer Hintergrund: In so einem Fächer übergreifend realisierten "darstellenden Spiel" sollen die Unterrichtsfächer Deutsch, bildende Kunst und Musik miteinander verknüpft werden.

"Es werden wesentliche Kompetenzen wie freies Sprechen, Präsentation, Lesefähigkeit und Organisation vermittelt neben sozialen Kompetenzen", so Wolfgang Wulz. Die Reaktion der Schüler sei sehr positiv: "Erst heute Morgen hat mir einer der Darsteller gesagt, wie viel Spaß es ihm gemacht hat."